F68v3

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Folio 68v3
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Inhaltsverzeichnis


Besonderheiten

Der Kreis in der Mitte könnte die Erde bzw. die Erdscheibe darstellen. Bei genauerer Betrachtung stellen wir nämlich fest, dass der Kreis in zwei Viertel- und einen Halbkreis gegliedert ist. Eine solche schematische Darstellung des Erdenrunds wäre für das Mittelalter nichts Ungewöhnliches. Als Vergleichsbeispiel kann etwa das Lambert von Saint-Omer zugeschriebene „Liber floridus" aus dem Jahr 1121 angeführt werden. Übertragen auf die Abbildung in F68v3 bedeutete dies, dass der untere Halbkreis Asien, der Viertelkreis rechts oben Europa und der Viertelkreis links oben Afrika entspräche.

Falls dem Ring um die mutmaßlichen Kontinente eine geografische Bedeutung zukommt, entspricht er dem Okeanos, dem das Festland umgebenden Weltmeer.

Eine wohl weitere Erdscheibe finden wir auf F67v2 und auf F86r6.

Um die Erdscheibe herum finden wir eine erste Sphäre. Sie enthält 21 gezackte Sterne und war wohl einst (dunkel-) blau gefärbt. Diese Sphäre dürfte wohl dem Aither (Aether) entsprechen, in dem sich nach alter Vorstellung u. a. die Gestirne bewegt haben. Die umlaufende Wellenlinie war eine häufige Darstellung für die Grenze zwischen dem irdischen und dem überirdischen Bereich, und findet sich auch auf vielen anderen Seiten des VMS.

Nach mittelalterlicher (und antiker) Vorstellung wurde der Aither von einer weiteren Sphäre umgeben, dem Empyreum oder Empyrion. Wie der Name schon sagt, war das Empyreum der Feuerhimmel, die Sphäre des Feuers (griech. "pyr" = Feuer). Es ist der Aufenthaltsort Gottes und der Seligen. Dass das Empyreum und der Aither durch eine Wellenlinie (vergleiche: Sacrobosco) voneinander abgegrenzt werden, könnte vielleicht darauf zurückgehen, dass der Illustrator die Flammen des Feuerhimmels hat darstellen wollen. Flammen allerdings, die nicht in unserer gewöhnlichen Erdenluft lodern und somit wohl eher spitz zulaufen würden, sondern solche, die eben in den Aither hinein reichen, der von anderer („reinerer“) Konsistenz ist.

Umschlossen wird die äußere Sphäre von einem ringförmigen Schriftband. Von diesem gehen acht „Schriftkurven“ aus. Vier reichen bis zur Erde und vier nur bis zum Aither. Da wir die Schrift bislang nicht lesen können, lässt sich nur vermuten, was diese acht Verbindungen vielleicht transportieren oder erklären sollen. Die vier zur Erde reichenden Kurven könnten mit den vier klassischen „Elementen“ zu tun haben, aus denen unsere Welt besteht: Feuer, Luft, Wasser und Erde. Gemäß Agrippa von Nettesheims De Occulta Philosophia, Buch 2, Kapitel 7 (1531-33) gibt es allerdings auch vier himmlische Elemente, deren Eigenschaften Licht, Durchsichtigkeit, Beweglichkeit und Festigkeit sind. Es wäre mindestens denkbar, dass hier diese himmlischen Elemente in den Aither und die vier irdischen Elemente (von Gott) zur Erde geschickt werden.

Transkription

siehe [1]


Weblinks


< f68r3 f68v3 f68v2 >


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